Zeit schenken - für andere da sein

Ein tolles Bürger-Projekt im "Winterfloss" in Neunkirchen-Wellesweier



„Die Zeit ist reif.“ sagt Joachim Becker. Und meint: Unsere Gesellschaft verändert sich. Mehr ältere Menschen. Mehr belastete Menschen. Mehr Menschen mit wenig Geld. Mehr Anonymität. Mehr Einsamkeit. Mehr Menschen, die
Unterstützung in vielfältiger Form brauchen können. Becker: „Es ist Zeit, dass wir wieder ein bisschen mehr auf den anderen Acht geben.“ Und da will das Projekt „Zeit schenken“ ansetzen (siehe „Info“). „Die Idee ist, dass sich Menschen in unserem Stadtteil Zeit schenken“, formulieren es die Initiatoren. Das soll in der Siedlung Winterfloß Wellesweiler wie eine Tauschbörse funktionieren: Die einen bieten ihre Zeit an, um bei kleinen Alltagsleistungen zu unterstützen, zum Arzt zu begleiten, beim Papierkrieg zu helfen. Die anderen wünschen Zeitschenker, die kleine Besorgungen übernehmen, bei Behördengängen mitgehen, besuchen und zuhören. Die Formel lautet: „Eine Stunde in der Woche von und für Menschen“. Ehrenamtlich und kostenfrei. Die Initiatoren, das sind neben
Joachim Becker und seiner Ehefrau Claudia (beide engagiert St. Johannes Wellesweiler), die Gemeindereferentinnnen Katja Klos und Ursula Zewe-Petry (St. Ludwig-Herz Jesu Spiesen-Elversberg) sowie Margit Reinhardt (Sozialberatung Caritas). Die Geburtsstunde von „Zeit spenden“ datieren sie in den Erkundungsprozess in der Pfarrei der Zukunft Neunkirchen, speziell ihr Mitmachen beim Probeerkunden in der Siedlung Winterfloß (die SZ berichtete). „Wir wissen, dass hier viele Menschen Hilfe brauchen können. Auf diese Menschen wollen wir zugehen.“ Übrigens auch ganz im Geiste der Trierer Synode und ihrer Vorstellung einer diakonischen Kirche, wie sie betonen.
Eines kam dann zum anderen. Die Gruppe hat sich aus der Erkundung verabschiedet und ist ins konkrete Projekt eingestiegen. Sie haben sich weiter getroffen, aus der Idee ein Konzept gebastelt und wollen jetzt am 5. Dezember an den Start gehen. Beim traditionellen Nikolausfeuer, organisiert vom Caritas-Projekt „Winterfloß“ für die Menschen der Siedlung. Das, sagen sie, ist ein ungezwungener Rahmen, „Zeit schenken“ im Gespräch und durch Flyer bekannt zu machen. Logistisch können sie in der Siedlung auf das Büro der Caritas zurückgreifen. Hier sollen die Angebote für Zeit schenken und die Nachfrage für Zeit annehmen aufgenommen und verwaltet, die Kontakte hergestellt werden.
In der Siedlung Winterfloß in Wellesweiler startet am 5. Dezember ein Projekt Nachbarschaftshilfe. Ehrenamtlich und kostenfrei.

Kommentar von Claudia Emmerich
Einfach machen Ist die Zeit reif? Wir erinnern uns: Die Familienbildungsstätte Neunkirchen hat schon 2017 ein Projekt „Zeitspender“ beworben und dabei wenig Resonanz erfahren. Jetzt gab es diese Woche eine Info-Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus/FNZ mit dem etwas sperrigen Titel „Bürgerschaftlich engagierte Einzelhelfer“. Ein Modellprojekt, um ältere Menschen ehrenamtlich zu unterstützen. Und jetzt startet „Zeit schenken“ in der Siedlung Winterfloß. Oft finden sich Zeitschenker, zurückhaltend oft noch die, die solch ein Zeitgeschenk annehmen wollen. Eine Hemmschwelle, die gar nicht so leicht zu überspringen sein mag. Das ist den Initiatoren des Wellesweiler Projekts auch bewusst. Aber „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagen sie sich und machen sich auf den Weg. Im Winterfloß finden sie schon Strukturen, auf die sie aufbauen können. Ein Versuch, der es Wert ist. In Zeiten gravierender gesellschaftlicher Veränderungen.

SZ-Bericht-29.11.2019




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