Die Deutsche Wirtschaft hat akute Nachwuchssorgen

Das Deutsche vieler Azubis lässt Ausbilder schaudern - viele Abbrecher



Die Nachwuchssorgen der deutschen Wirtschaft werden Jahr für Jahr größer. Grundvoraussetzung für eine Einstellung sind bei den meisten Betrieben gute Deutschkenntnisse. Daran mangelt es jedoch nicht nur bei Zuwanderern, sondern auch bei einheimischen Lehrlingen. Gute Deutschkenntnisse gelten den Unternehmern als zentrale Voraussetzung für eine Lehre. Aber nicht nur bei Flüchtlingen und jungen Menschen aus dem Ausland beklagen sie Mängel. Auch viele Schulabgänger können sich kaum adäquat artikulieren. Anzeige

Die deutsche Wirtschaft hat akute Nachwuchssorgen. Jahr für Jahr wird die Ausbildungslücke größer. Fast 58.000 Lehrstellen blieben 2018 unbesetzt, und für dieses Jahr sieht es nicht besser aus. Die duale Berufsausbildung leidet strukturell unter rückläufigen Schülerzahlen und einem stetigen Trend zum Studium. Die Unternehmen richten deshalb immer stärker ihr Augenmerk auf ausländische Kandidaten. Und tatsächlich sind die kontinuierlich steigenden Zahlen ausländischer Azubis ein Lichtblick: Ihr Anteil an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen hat sich binnen eines Jahrzehnts auf 11,5 Prozent verdoppelt. Das Potenzial ist damit aber bei Weitem nicht ausgeschöpft, bedenkt man, dass der Anteil der Ausländer an der hiesigen Bevölkerung inzwischen deutlich höher ist. Und auch die Anwerbung von Azubis direkt im Ausland ist eine Option, die von der großen Koalition mit dem vor der Sommerpause verabschiedeten Fachkräfteeinwanderungsgesetz jetzt noch erleichtert wird.

Erleichterungen für Flüchtlinge

„Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräftenachwuchs – und denken dabei auch an Azubis aus dem Ausland“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. Wie groß das Interesse der Wirtschaft an den jungen Migranten ist, zeigen Ergebnisse der diesjährigen DIHK-Ausbildungsumfrage.

Rund 40 Prozent der Ausbildungsbetriebe haben danach bereits Azubis aus anderen Ländern ausgebildet. Bei elf Prozent der Betriebe handelte es sich dabei ausschließlich um EU-Migranten. Bei 15 Prozent der Unternehmen waren die Herkunftsländer nur Drittstaaten wie etwa die Türkei oder Syrien. Und weitere 15 Prozent der Unternehmen haben sowohl schon ausländische Lehrlinge aus anderen EU-Staaten wie auch aus Drittstaaten eingestellt. Dass sich die hiesige Wirtschaft verstärkt um ausbildungswillige Drittstaatler bemüht, die bei einer erfolgreichen Ausbildung dann dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen, ist angesichts des demografischen Wandels dringend notwendig. Die Erleichterungen im Rahmen des neuen Fachkräftezuwanderungsgesetzes gelten auch für schon hier lebende Geflüchtete, die auf diesem Weg eine sichere Bleibeperspektive erhalten können.

Deutsch unverzichtbar

 

In der DIHK-Umfrage machten die Unternehmen allerdings deutlich, dass „fortgeschrittene Deutschkenntnisse“ für sie bei der Einstellung der jungen Drittstaatler die mit Abstand wichtigste Grundvoraussetzung sind. „Deutsche Sprachkenntnisse sind unabdingbar, um hierzulande eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren – das sagen mehr als 90 Prozent der ausbildenden Unternehmen“, betont DIHK-Experte Dercks. Denn um eine Berufsausbildung abzuschließen, müssten junge Menschen beispielsweise Sicherheitsanweisungen verstehen, das richtige Werkzeug auswählen oder dem Unterricht in der Berufsschule folgen können. Ausbildungsbetriebe suchen verzweifelt Nachwuchs. Ein Grund ist der Trend zum Studium. Zudem brechen immer mehr Anfänger ihre Ausbildung ab. Aber auch das Ansehen der Ausbildungsberufe spielt eine große Rolle.

Deutschkenntnisse spielen indes keineswegs nur bei der Auswahl von Neuzuwanderern für die Arbeitgeber eine ganz entscheidende Rolle, sondern auch bei den Jugendlichen, die hierzulande ihre Schulbildung absolviert haben. „Die heutigen Schulkinder, mit und ohne Migrationshintergrund, werden in einigen Jahren die Zukunft dieses Landes gestalten. Sie sollen die Rente bezahlen, Unternehmen gründen und durch ihre Leistung die Wirtschaft stärken und unsere Gesellschaft stabilisieren“, gibt der Präsident der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée, zu bedenken.  „Es ist nicht nur unsere Pflicht, sondern purer Menschenverstand, alle Schüler unseres Landes hierfür mit den bestmöglichen Grundlagen auszustatten. Hierzu zählt für die Familienunternehmer zweifelsohne Sprachkompetenz.“ Schließlich sei auch im Kontakt mit Kunden und Kollegen verständliches Deutsch unverzichtbar.

Hohe Abbruchquoten

Der Mittelständler beobachtet deshalb mit Sorge, wie das Rechtschreib- und Sprachniveau der Lehrstellenbewerber seit Jahren abnimmt. „Dabei ist das Unterrichtsfach Deutsch – noch vor Mathematik – für die Familienunternehmer das wichtigste Schulfach überhaupt, wie eine Mitgliederumfrage ergab.“ Ausdrücklich unterstützt Eben-Worlée deshalb den Vorstoß von CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann, der eine Vorschulpflicht für Kinder fordert, die bei der Einschulung in die Grundschule noch nicht über ausreichende Sprachkompetenz in Deutsch verfügen. Die Einschulung sollte notfalls so lange zurückgestellt werden. Anzeige

 „Die Überprüfung und Vermittlung von ausreichender Sprachkompetenz muss vor der Einschulung beginnen und muss während der Schulzeit bei besonderem Bedarf mit Zusatzkursen ausgebaut werden“, sagt der Unternehmer. „Wer es nach der Schulzeit nicht einmal vermag, annähernd fehlerfrei eine einfache Bewerbung für einen Ausbildungsplatz zu schreiben oder sich in einem wohlwollenden Bewerbungsgespräch zu artikulieren, dem werden für den Einstieg ins Berufsleben nur mehr wenige Optionen bleiben.“

Tatsächlich zeigt der diesjährige Berufsbildungsbericht, dass die Zahl junger Erwachsener ohne Berufsabschluss mit 2,1 Millionen einen neuen Rekord erreicht hat. Zumal selbst die erfolgreiche Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz noch keine Gewähr ist, dass man auch den Abschluss schafft. Jeder vierte Lehrling bricht die Lehre ab. Unter den ausländischen Azubis ist die Abbruchquote mit 35 Prozent noch höher.

Im Bereich des Saarlandes ist die die Abbrecherquote leider auch viel zu hoch.

Vergleichbare Bundesländer:

Baden Württemberg                        22,8

Bayern                                             24,0

Berlin                                               34,6

Rheinland-Pfalz                               28,6

Saarland                                          30,3

Sachsen                                          28,1

Brandenburg                                    32,6

Sachsen-Anhalt                               34,7

Wir bemühen uns mit unserem Konzept der LERNPATEN SAAR diesem Trend entgegenzuwirken

Flyer Lernpaten Saar

 




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