Mohamed ist ein richtiger Gewinn

Über die Fragen und Schwierigkeiten der Integration ins Arbeitsleben



Dank des Netzwerks „Ankommen“ hat Mohammed Ahmed Kelifa eine feste Arbeitsstelle. Der 29-jährige Eritreer kam 2013 in Deutschland an. Unterstützung bekam er von Ulrike Krüger, die sich unter anderem im Aktionsbündnis „Stolpersteine Frieden“ in Völklingen ehrenamtlich engagiert und 2014 kennenlernte. „Er hat im Aktionsbündnis mitgeholfen und wir ihm bei der Vermittlung von Praktikumsstellen und anderen, alltäglichen Dingen geholfen. Im Frühsommer 2015 hat uns Mohammed als seine Ersatzfamilie adoptiert“, erzählt Ulrike Krüger und lacht.

Die Vermittlung von Flüchtlingen in die Arbeitswelt ist ein „echtes Problem“, weiß Krüger. Um eine Ausbildung anfangen zu können, müsste Mohammed Kelifa zunächst den Hauptschulabschluss machen. Dann folgen drei Jahre Lehre. „Er sagte daraufhin: Da bin ich ja Opa, bis ich fertig bin“, erinnert sich Ulrike Krüger und schmunzelt: „Er wollte gleich genug Geld verdienen, um nicht vom Jobcenter abhängig zu sein und hatte Dank der Vermittlung von Hans Joachim Müller das Glück, einen Platz in der Druckerei zu finden.“ Dieser Weg erwies sich als Volltreffer. Barbara Braun, die Geschäftsführerin der Repa Druck GmbH, ist begeistert. Denn: Mohammed Kelifa kommt gut an. Ganz im Sinne des Netzwerkes „Ankommen“: „Er ist unheimlich fleißig und lieb und nicht nur deshalb überall beliebt. Er ist auch sehr bemüht und geschickt,"  attestiert Braun. Auch Kelifa selbst fühlt sich in der Firma „sehr wohl und akzeptiert.“

Erst arbeitete der 29-Jährige in der Druckerei, später in der Buchbinderei. Obwohl die Arbeit dort anstrengender ist, gefiel es ihm gleich gut. Mittlerweile hat er sogar eine Wohnung in der Nähe der Firma gefunden. „Die größte Hürde ist die Sprache. Daran muss er auch noch ein bisschen arbeiten. Aber er wird täglich besser“, berichtet Barbara Braun, die Mohammed im Sommer 2017 in ihren Betrieb, der REPA-Druckerei, aufnahm. Da hatte er gerade seinen zweiten Deutschkurs bestanden. „Ein Eindruck nach dem Motto‚ "Flüchtlinge holen Deutschen die Arbeit weg" ist gar nicht erst entstanden, weil er einer ist, der arbeiten will. Das ist genau die Einstellung, auf die wir in unserem Unternehmen Wert legen“, betont Braun.

Wie schwer es ist, arbeitswillige Flüchtlinge zu vermitteln, weiß man auch beim Verband für Metall und Elektroindustrie (ME Saar). Für viele Firmen stellen nicht nur die Sprachbarriere und eine fehlende Berufsausbildung nach deutschen Maßstäben Vermittlungshemmnisse dar. Obwohl eine Anstellung aus humanitären und ethischen Gründen auch von Arbeitgeberseite gewünscht sei, stellt sich ein besonmderes Problem dann, wenn diese vor einem Einsatz auf einem Regelarbeitsplatz eine strukturierte Qualifizierung von mehr als drei Monaten machen müssen. Nach dieser Zeit ist nämlich zwingend Mindestlohn zu zahlen. Bei einer normalen dualen Ausbildung fällt dieser natürlich nicht an. Bei aller Fürsorge war es aber Wirtschaftlich nicht vermittelbar, dass eine Qualifizierung ca dreimal so gut vergütetet werden soll, wie eine duale Ausbildung. Auf Initiative des ME Saar formulierten die drei Bundesministerien für Arbeit und Soziales, Finanzen sowie Bildung und Forschung eine gemeinsame Auslegung und Praxishinweise zur Anwendung des Mindestlohngesetzes, die für den Zeitraum des strukturierten und gezielten Anlernens bestimmter Fähigkeiten die Aussetzung des Mindestlohnes vorsieht. Eine Lösung, die auf Dauer für beide Seiten von Nutzen sein soll.

                                                                                              Sebastian Zenner




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